Kirchengeschichte

bis Juli 2003

Renovierung

Die neue Kirche

Start Die "Ausweichkirchen" Presse

Kirchenfenster


Niedersfeld von 1784 bis 1945
"Freiheitskrieg" mit Grönebach / Kirchenneubau / Weltkriege

Niedersfeld wurde bereits am 25.10.1784 (rechtskräftig) eigene Vikarie. Vikar wurde Joannes Laurentius Franciscus Berndes aus Winterberg. Niedersfeld war Tochtergemeinde von Grönebach und wurde von dort aus auch seelsorglich betreut. Doch nicht nur von dort, denn bevor Niedersfeld Vikarie wurde, betreute Pater Franciscus aus dem Kloster Grafschaft die Niedersfelder seelsorglich. 

Der neue Vikar unterstütze das Vorhaben Niedersfelder Bürger, sich von der Muttergemeinde Grönebach zu trennen.  Der Grönebacher Pfarrer beschwerte sich bei "Seiner Durchlaucht", dass die Niedersfelder durch Mißachtung von Abmachungen und Dienstvorschriften die förmliche Trennung suchten. Das Erzbischöfliche Generalvikariat Köln reagierte entsprechend scharf und wies die Niedersfelder per Dienstanweisung vom 14. Mai 1799 zurecht. Damit brach der hundertjährige "Freiheitskrieg" zwischen Grönebach und Niedersfeld offen aus, der mit der Abpfarrung der Filialkirche von der Mutterpfarrei am 24. Dezember 1893 endete.

Im Juli 1809 hatten die Grönebacher erneut Grund zur Beschwerde: Die Niedersfelder Filialkirche erhielt per Urkunde vom 20. März 1809, auf Veranlassung des mittlerweile im Dienste stehenden Vikars Jacobus Josephus Quick aus Winterberg, mehr Befugnisse, so zum Beispiel die Anlegung eines eigenen Friedhofes neben dem Orte Niedersfeld (bisher wurden alle Niedersfelder in Grönebach beigesetzt), die Feier der hl. Messe für Kranke, Schwache und Kinder in Niedersfeld auch zu Hochfesten halten zu dürfen und die Haltung des 40stündigen Gebetes in der Filialkirche. Diese erweiterten Befugnisse legten die Niedersfelder nun sehr weit aus, indem sie einmal mehr versuchten, sich von der Mutterkirche in Grönebach abzusetzen. Auf diese Beschwerde hin ordnete das Generalvikariat am 8.8.1809 an, dass alle früheren Abmachungen befolgt werden müssten, auch, dass die Niedersfelder an den Hochfesten, dem Patronatsfest und den 'Processionstagen' der Mutterkirche dort an den Gottesdiensten ohne alle Entschuldigung teilnehmen müssten.

Vikar Joannes Arens aus Heinsberg löste im Oktober 1819 Vikar Quick ab und ließ in den Jahren 1820-1826 die Kapelle renovieren. Alle Neuerungen, die nicht unerheblich waren, mussten durch Spendengelder bezahlt werden.

Die 605 Niederfelder Einwohner, die damals in 42 Häusern wohnten, wurde 1821 der Großdiözese Paderborn zugeordnet. Dem voraus gingen einschneidende politische Veränderungen (Säkularisation, Vereinnahmung von Kirchengütern, Besitznahme des Kurkölnischen Sauerlandes durch Hessische Truppen, Napoleon ernennt sich selbst zum Kaiser der Franzosen, Niedergang des ersten Deutschen Reiches...). 

Nach einigen Neugliederungen des Regierungsbezirks Arnsberg wurde Niedersfeld letztlich dem Landkreis Brilon zugeordnet. Das war am 1.1.1819. Niedersfeld war Bezirk 50. 1826 wurden die Bezirke aufgelöst, Niedersfeld gehörte fortan zur Bürgermeisterei Winterberg. Damit hatte der Winterberger Bürgermeister Mitspracherecht bei der Stellenbesetzung und der evtl. Umpfarrung der Vikarie Niedersfeld.

Ein weiterer Versuch, Niedersfeld von Grönebach abzupfarren, ereignete sich 1827. Der damalige Bürgermeister Hattermann lud den Grönebacher Pastor Knickenberg ein zu einer Besprechung "zwecks Vereinigung der Gemeinde Küstelberg mit der Pfarrei Grönebach und der Abtrennung der Gemeinde Niedersfeld". Daraus wurde jedoch nichts, der Streit ging also weiter. Er hörte auch nicht auf, als Niedersfeld mal wieder einen neuen Vikar bekam. Auch nicht, als Grönebach einen neuen Pfarrer erhielt - im Gegenteil, der Streit schwoll an.

Um in den 1850er Jahren wurden die Bestrebungen der Abfarrung von der Bischöflichen Behörde unterstützt. So bekam am 19.2.1853 Dechant Föhrer, Brunskappel, von Paderborn den Auftrag, die politische Gemeinde Niedersfeld protokollarisch zu vernehmen, ob 1. Die Gemeinde Niedersfeld von Grönebach getrennt werden soll, 2. Welches Abfindungskapital die Gemeinde Niedersfeld an die Mutterkirche zu zahlen bereit ist. In der Wohnung des Gastwirts Kramer zu Niedersfeld wurde die Besprechung für den 11.3.1853 einberufen. Eine Abfarrung kam jedoch wieder nicht zu stande. Die Gemeinde konnte oder wollte das nötige Abfindungskapital nicht aufbringen.

Vikar Engels trat am 2. Juli 1860 die Vikarstelle in Niedersfeld an, nachdem Vikar Deimel am 30. Juni Niedersfeld verlassen hatte. Die Gemeinde "wurde durch seine Abreise in Trauer versetzt", schrieb Vikar Wiederhold im Jahr 1887. Auch Vikar Engels machte in Niedersfeld eine aufreibende Zeit mit. Er legte sich mit Amtsvertretern an, die ihm seinen Zaun abrissen und versteigerten. Vikar Engels obsiegte und Amtmann Oppermann wurde abgesetzt, das war 1866.  Zu jener Zeit bewohnten ca. 630 Einwohner 120 Haushalte. Hundert Jahre später bewohnten ca. 1350 Bewohner unseren Ort.

Anfang der 80ger Jahre des 19. Jahrhunderts sah sich die Kirche im Kulturkampf mit der Preußischen Regierung. Kanzler Bismarck verfügte einschneidende Gesetze, die auch die Niedersfelder Kirchengemeinde zu spüren bekam. Vikar Engels erlag am 8.9.1879 seiner Krankheit. Die Vikariestelle war bis 1886 unbesetzt.

Nach dem Kulturkampf sollte es aufwärts gehen. Vikar Friedrich Wiederhold von Breitenworbis im Eichsfeld wurde am 2. März 1886 nach Niedersfeld versetzt. Er fand eine baufällige Kapelle vor, die noch dazu für die 629 Katholiken des Dorfes zu klein war. Pfarrer Wurm aus Winterberg, der die Seelsorge während der sechsjährigen Vakanzzeit übernommen hatte, hatte schon erste Schritte für einen Kirchenneubau in die Wege geleitet. Vikar Wiederhold ging diesen Weg weiter.


Plan zum Neubau der Kirche 1887, Turm mit Fachwerk

So wurde am 10.2.1887 mit dem Abriss der alten Kapelle begonnen, die zu diesem Zeitpunkt bereits teilweise eingefallen war. Am 12.6.1887 fand die Grundsteinlegung durch Pfarrer Beele aus Grönebach statt. Das Dokument, welches in den Grundstein eingelegt wurde, trägt am Ende seiner Fassung: "Möge die Feier der Grundsteinlegung eine Feier des Friedens und der Eintracht sein; möchte der Bau zur größeren Ehre Gottes und zum Heile der Gemeinde Niedersfeld gereichen [...] Möchte der Segen des Himmels über das neue Gotteshaus sich ergießen und auf demselben ruhen. Das walte Gott" Niedersfeld, den 12 . Mai 1887. Friedrich Wiederhold, Vicarius."

Man bemerke, dass seinerzeit die Niedersfelder so arm gewesen waren, dass Vikar Wiederhold einen Bettelbrief an Kaiser Wilhelm I verfasste, der jedoch nicht das gewünschte Gehör fand. Doch die Kaiserin ließ der Gemeinde ein Gnadengeschenk von 150 Mark zukommen. Es fanden immer wieder Kollekten statt und so kamen mehrere Tausend Mark zusammen. Ein Vorhaben, die Kirche geringfügig zu erweitern, musste zurückgezogen werden, weil die Stimmung im Dorf nicht dem positiv gegenüber stand. Die Mehrkosten von 3000 Mark wollte damals keiner tragen. Diese negative Entscheidung machte sich schon bald bei der Aufstellung der Bänke und der Orgel nachteilig bemerkbar. Die neue Kirche wurde am 26.07.1888 eingeweiht. Sie kostete insgesamt 35.787,86 Mark. (zum Vergleich: der noch aufzubringende Eigenanteil aus Spenden zum heutigen Umbau kostet rund 42.500 €)


Pfarrkirche erbaut unter Vikar Wiederhold 1887/1888

Der Kampf um die Selbständigkeit spitzte sich immer weiter zu. Pfarrer Beele hatte sich einmal mehr in Paderborn darüber beschwert, dass der Vikar von Niedersfeld die erlassene Dienstvorschrift vom 28.1.1888 bisher nicht befolgt und auch bestimmt kundgetan habe, er würde sie auch nicht befolgen. Paderborn reagierte diesmal am 6.7.1888 mit außergewöhnlicher Schärfe und drohte Vikar Wiederhold die unverzügliche Suspension an, falls er der Instruktion nicht in jedem Punkte genau entsprechen würde. "Irgendwelche Erörterungen in dieser Sache werden wir von Ihnen nicht mehr entgegen nehmen", so das Bischöfliche Generalvikariat. Dieses brachte ganz Niedersfeld in helle Aufregung und in starke Opposition. Verstorbene Kinder wurden sogar zivil, ohne den Segen der Kirche begraben. Vikar Wiederhold wandte sich an den Bischof persönlich und schilderte ihm die aussichtslose Lage. Wenig später wurde Wiederhold versetzt, die Vikariestelle in Niedersfeld wurde einstweilen nicht mehr besetzt, so geschehen am 8.10.1888. Nach mehrmaligen Bitten setzte Paderborn erneut einen Vikar in Niedersfeld ein, der jedoch nach kurzer Zeit "aufgeben" musste, denn die Opposition war nach wie vor da und wurde stärker.

Am 17.10.1889 kam Vikar Petrus Gabriel nach Niedersfeld und trat die neue Stelle an. Er erhielt strikte Anweisungen aus Paderborn, sich aus allen Streitigkeiten herauszuhalten, der Grönebacher Mutterpfarrei treu ergeben zu sein und überdies keinerlei Erwähnung des Themas in Predigten zu tätigen.

Ein langer, unerbittlicher Kampf. Wie beschrieben: "Ein hundertjähriger Freiheitskrieg".

Der Kirchenvorstand unternahm am 20.1.1890 erneut einen Versuch der Abpfarrung und schrieb nach Paderborn, den "allseitigen Wunsch zu willfahren" und der Filialgemeinde eine dauernde selbständige Form zu verleihen. Paderborn hatte nun endlich Einsicht und schrieb prompt am 23.1.1890 zurück, "daß wir unsererseits bereit sind, die Abpfarrung der Filialgemeinde Niedersfeld von Grönebach herbeizuführen...". Bedingung war, dass die Gemeinde für die entstehenden Kosten aufkommen will. 7.425 Mark Abfindungssumme wurden 1893 an Grönebach gezahlt.

Am 26. Juni 1893 wurde die Errichtungsurkunde "betreffend die Neubildung der katholischen Pfarrgemeinde Niedersfeld" vom Bischöflichen Generalvikariat Paderborn ausgestellt. Niedersfeld war selbständige Pfarrgemeinde, die Kirche somit "Pfarrkirche".  Am 24. Dezember 1893 wurde dieses in den Pfarrkirchen zu Niedersfeld und Grönebach proklamiert, damit war die kanonische Einrichtung der Pfarrei St. Agatha Niedersfeld vollzogen. Es wurde - endlich - ruhiger in Niedersfeld.

1897 wurde beschlossen, den Fachwerkturm zu verschiefern. Paderborn war nicht unbedingt begeistert, stimmte aber letztlich zu. 1898 wurde die (malerische) Dekoration der Kirche beschlossen. 1913 stand die Anschaffung einer Turmuhr an. Es folgte der erste Weltkrieg, der zu viele Opfer auch aus Niedersfeld forderte; die Zeit der Herrschaft der Nationalsozialisten (1933-1945) mit abermals zahlreichen Vermissten und Gefallenen und die Nachkriegszeit. Verschiedene Pfarrer, unter ihnen Pfarrer Dr. Jacobs, Pfarrer Schlüter und zuletzt Pfarrer Rüther wirkten in unserer Gemeinde.

Durch den Flüchtlingsstrom in den Kriegswirren kamen viele evangelische Christen nach Niedersfeld. Deshalb bat der evangelische Pfarrer von Winterberg, in der kath. Kirche seinen Gottesdienst halten zu dürfen. Seine Bitte wurde nicht abgewiesen. Seither hält die evangelische Kirchengemeinde ihren Gottesdienst regelmäßig in der Kirche bzw. im Pfarrheim.